In der DDR wurden die meisten Bereiche des öffentlichen Lebens vom Staat geplant und gelenkt. Dies traf auch für die Entwicklung und den Einsatz von medizintechnischen Erzeugnissen zu. Bei vielen Produkten, die im "Westen" verfügbar waren, gelang es jedoch nicht, eine DDR-eigene Produktion von staatlicher Seite aufzubauen oder durch das sozialistische Ausland eine Belieferung und Versorgung zu realisieren. Für solche "Marktlücken", die in der DDR mit Versorgungsengpässen gleichzusetzen waren, war privathandwerkliches Engagement letztlich auch zur Kaschierung der Unfähigkeit staatlicher Planwirtschaft willkommen.
Dank der Anregungen der Augenärzte P. Lommatzsch, H. G. Gießmann und später H. Gliem begann Anfang der 70er Jahre der Berliner Augenoptiker Kurt Hellgrebe mit ersten Schritten zur Herstellung von Intraokularlinsen. Hierbei kam ihm seine jahrelange Erfahrung als Kontaktlinsenhersteller zu Gute. Aus den Versuchen wuchs trotz aller heute nicht mehr vorstellbaren Schwierigkeiten eine Produktion, die bis 1988 Intraokularlinsen für die Patienten in der DDR bereitstellte: 12 Modelle; ein- und mehrstückige.
Die bis dahin in der DDR noch umstrittene Implantation von IOL erlang im Herbst 1983 mit der Tagung der implantierenden Augenärzte der DDR in Ilsenburg ihren Durchbruch. Hierbei begann Kurt Hellgrebe den befreundeten Augenarzt Volker Rasch für Fragen der Qualitätsverbesserung und neue IOL-Entwicklungen zu interessieren.
Aus anfänglich gemeinsamen Planungen für eine neue Produktion wuchs Mitte der 80er ein seperates Projekt von Dr. Rasch - im Keller des Elternhauses in Falkensee. Auf der Basis dreier Berufe (Feinmechaniker, Augenarzt und Augenoptiker) sowie von Kooperationen mit verschiedenen Hochschulen sollte eine "Hightech-Manufaktur" entstehen.
Ziel war es, zunächst 3stückige IOL aus PMMA zu produzieren. Als Besonderheit gegenüber bekannten Produkten sollte u. a. der tatsächlich gemessene Brennwert der einzelnen Linse angegeben werden. Diesen Dioptrienwert runden bis heute alle Hersteller. Dies hat im Jahr 2002 die Fa. Technomed mit ihrem Modell AL-MP 601 aufgegriffen: "So können Sie auf die IOL aus Ihrem Konsignationslager zurückgreifen, die der gewünschten Brechkraft von beispielsweise 19,7 Dpt. am nächsten kommt und das bei gleichbleibendem logistischem Aufwand!" (Technomed-Rundschreiben vom 12.03.2003). Daneben waren Haptiken in 3 verschiedenen Härtegraden vorgesehen - den individuellen Indikationen und Wünschen der Operateure Rechnung tragend. Nach der Wende wurde jedoch die beginnende Produktion und das nebenberufliche Gewerbe eingestellt.
Entwicklung von Implantaten nach 1990
- 1998 - Typ 52 A, Fa. Morcher, D
- 1999 - MC TE, Fa. Dr. Schmidt, D
- 2004 - Acriflex 62 VR, Fa. Acrimed, D, jetzt Oculentis
- 2005 - Acriflex 62 VR-Tor, Fa. Acrimed, D, jetzt Oculentis
Kapselspannringe:
- 1996 - mit Kolobomblende, schwarz, Typ 96 G,
Fa. Morcher, D - 1996 - mit Irisblende, schwarz, Typ 50 C,
Fa. Morcher, D - 1996 - für torische IOL, Typ 50 B,
Fa. Morcher, D - 1996 - Kapsediaphragma, Typ 50 A,
Fa. Morcher, D - 1997 - Typ 2,
Fa. Morcher, D - 1999 - Mod. Saturn,
Fa. EuroCrystal, F - 2000 - mit Kolobomblende, schwarz,
Fa. Ophtec, NL - 2000 - mit Kolobomblende, farbig (grün, braun),
Fa. Ophtec, NL
sowie Konzepte und Patentanmeldungen:
- Kapselspannring (1997)
- Intraokularlinse (1997)
- Künstliches Irissystem (1998)
- Zur akkomodativen Chirurgie (2000)
- Implantat zur Korrektur der Aberration (2000)



Entwicklung von Implantaten
